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Landbäckerei Sinz

Ich laufe die Goethestraße entlang, kreuze Lessing am Haubenschloß bis ich wieder unten im Westend bin. Ein großer Auftritt ist für mich immer das Betreten einer Landbäckerei; ich stehe da und betrachte die Auslage, alles andere stört mich, das Erwarten einer Bestellung der Verkäuferin stört mich, wie sie da steht und mich ansieht, vor sich all das, was man heutzutage überall findet, als wären es Klone, alles geklont heutzutage, kein Eigenleben, keine Besonderheit, vom Automobil bis zum Ikea-Schrank.

Es liegt jetzt an mir, Ihnen zu sagen, was ich möchte, sage ich. Sie sagt, Ja. Sie warten förmlich auf das, was ich Ihnen sage, damit Sie aus Ihrer Lethargie erwachen dürfen, geschäftig werden können, sage ich. Sie sagt nichts, sie sieht mich an, ich weiß, sie begreift diesen einfachen Satz bereits nicht, wird nicht darüber nachdenken, wird aber auch nicht nachfragen, um doch noch, und sei es am Abend, darauf zu kommen, was das bedeutet haben könnte. Sie ist klein und ich sehe ihr an, daß sie sich mit dem Zeug, das sie da völlig überteuert verkauft, nicht identifizieren kann. Würden es Pralinen sein, wäre es ihr genauso egal, als würden da Holzpuppen liegen. Sie macht einen Job. Irgendetwas mit Verkauf. Würde sie gern Taxi fahren? Würde sie lieber nichts tun, verheiratet sein, Kinder werfen? Tut sie das sogar und ändert das auch nichts?

Ich betrachte weiter die Backwaren, deren Zucker, vom Licht der Lampe scharf gemacht, schmilzt und an unterschiedlichen Stellen aussieht wie Sperma. Wissen Sie, wie das aussieht?, sage ich und deute auf den Zuckerguß. Sie denkt, jetzt geht es los, jetzt geht es endlich los, der Verrückte sagt endlich, was er will, ich packe es ihm ein, er zahlt und verschwindet. Mir ist das nicht Geheuer, ES IST MIR NICHT GEHEUER. Jemand betritt den Laden, bevor ich ihr meine Analyse unterbreiten kann. Vielleicht morgen, sage ich und verlasse den Laden.

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