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Das Boleite-Treppchen

Boleite ist einer der merkwürdigen Straßennamen, die an der Tierzuchtsraße und der Alpenrosenstraße vorbei durchs Boleitestäffele ins Freudental hinunterführt. Manche erkundigen sich bei ihrem Arzt nach ihrem körperlichen Befinden, hier aber befragt man das Boleite-Treppchen, das zum täglichen Hinaufeilen wie geschaffen ist. Jede Stunde, die man zu wenig geschlafen hat, wird dort vermerkt. Im Grunde ist das ein Privatweg, und ich fühle mich dann stets so privat wie irgend möglich, geschäftlich laufe ich dort nie auf und ab. Kempten ist die Stadt der kurzen Wege, es gibt in ganz Deutschland keine Stadt wie diese; als Spaziergänger hat man eine völlig eigenständige Infrastruktur. Anderswo müßte man, um ähnliches zu erreichen, durch die Kanalisation tappen, hier kann man Treppen, Passagen, Gassen, Pfade und sonderbare Wege nutzen. Der Begriff „Boleite“ leitet sich ab von Buchleite, und dieser Begriff wiederum hat nichts mit einem Buch, sondern mit Bildern zu tun, die hier einst an einer Tafel angebracht waren und die Wallfahrer davon abhielten, ins Dickicht zu purzeln, bevor sie auch nur eine einzige Kuh haben sehen dürfen. Wallfahrer also, die ins Gesäß des Tieres einstiegen, waren’s, denn es war nicht selten Nacht. Und eine Kuh so duldsam, eine Kuh, so nächtlich euteral. Ihr juckts am Arsche, während die Wallfahrer einfahren. Und ihr Euter milcht und milcht, gibt aber noch nichts her; das dann am Morgen; aber wie soll man von innen?

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