Sonntag, 10. September 2017

Briefstyl

Heute schrieb ich einem alten Freund:

Hochverehrter, lieber Freund!

vorgestern kehrte ich aus B*** zurück, und es erwartete mich Dein voluminöser Band in dezent=bürgerlichem Grau. Abermals gratuliere ich zum Erscheinen und zolle dem Umfang Deiner Studie samt Edition meinen Respekt. Sollten es am Anfang nicht um die 250 Seiten werden? … Aber so geht es eben.
(Ich bestreite übrigens ausdrücklich, dass meine angebliche Vorbildfunktion damit irgendetwas zu tun haben soll und weise jedes Fluchwort dezidiert zurück!)
Nun werde ich das opus magnum allenthalben empfehlen und für Rezensionen werben, damit das Ende dieses Lebensabschnitts auch in der respublica litteraria ihren Wiederhall finden möge.

In der Hoffnung, dass Du Deinen alten Freund auch im nächsten Lebens=Abschnitt nicht ganz vergisst; dass sich vielmehr noch in diesem Jahr ein Wiedersehen mit der wachsenden Familie von S*** einrichten lässt,

verneigt sich vor der Eminenz und zwinkert dabei dem alten Kämpen zu

Dein Schwarzertd

Ist das nun verschrobene Idiosynkrasie eines Überlesenen (gibt es so etwas wie einen "Überlesenen")? Abgeschmackter Altersstil (=styl)?
Ich würde sagen: Es ist ein notwendiges Gegengift gegen das alltäglich begegnende Sprach-Gemetzel aus Eingangspostkästen und Lautsprechern. Lebenserhaltend.

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