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Es werden Posts vom September, 2017 angezeigt.

Rote Arbeit

Viehmarkt

Der Viehmarkt ist eröffnet, ich hinterher einem Arbeitspferd, das in 5 Tagen das meine sein könnte, die Ganaschen aufgefüttert, die Zähne wie marmorne Skulpturen, langgewachsne Kronen, die Fladen freundlichster Psilocybin=Nährstoff. Für wenig Mark hat es viel Mark in den Knochen. Es geht langsam, freilich, aber mit der End=Fasan(ung) muß gerechnet werden, am Abakus Rechenpfennige, die hin und her geschoben werden, das Maul klamm, die Augen den extremen Lichtverhältnissen angepaßt. Meine Unruhe ist eine CoffeinBare; Formel : C8H10N4O2. Die Bettgeschwindigkeit erhöht.

Cocktail

Sprecher: Fafnir Fiedler / Michael Perkampus

»Es tut mir leid, es Ihnen auf diesem Wege mitteilen zu müssen ...« sagte der Butler, und stand da, wie ein Stock eben dasteht »aber Ihre Frau läßt ausrichten, ich solle Ihnen eine in die Fresse hauen und sie ließe sich scheiden. Da ich zu ersterem nicht erzogen bin, muß ich leider Fehl gehen, und kann Ihnen nur die zweite Botschaft sachgetreu übermitteln.«
Da standen sie, gaben an, und tranken Cocktails, die sie noch nie in ihrem Leben getrunken hatten. Eine Gesellschaft voller Pärchen, die sich scheiden ließen. Wenn man es treiben wollte, ging man nach oben; dort war alles mit blödem Plüsch ausgarniert, aber die Betten quietschten nicht. Handschellen gab es für zwanzig Mäuse zum ausleihen.
»Danke, Bernie. Das ist nett!« Ich schob ihm einen Geldschein in die hohle Hand. »Das haben Sie gut gemacht!«
Ohne das Geschehen mit den eigenen Augen zu begleiten, verschwand der Schein in einer der unzähligen Taschen, die alle beschriftet waren. Ich…

Robert Johnson - Crossroads

Die größte Mythe der Musikgeschichte stammt aus dem Blues. Unter den Delta-Blues-Musikern der 30er und 40er Jahre sind einige der wichtigsten und doch schwer faßbaren Figuren aufzufinden. Unabhängig davon, ob man jemals Robert Johnsons musikalisches Vermächtnis gehört hat, ist die Wahrscheinlichkeit doch sehr hoch, daß man zumindest diejenigen kennt, auf die er einen gewaltigen Einfluß ausübte: Led Zeppelin, The Doors, Eric Clapton und unzählige andere.

Er starb mit 27 und begründete damit eine andere Legende: den Club der 27er, dem so illustre Persönlichkeiten wie Janis Joplin, Jim Morrison, Jimi Hendrix oder Amy Winehouse angehören. Die Ursache seines Todes sowie die Lage seines Grabes sind unbekannt, über sein Leben ist so gut wie nichts bekannt – es gibt allenfalls einige Anekdoten von Musikern, die mit ihm spielten, als er das Land durchstriff – aber es existieren zumindest drei Fotografien von ihm. Es kommt also einem Wunder gleich, daß gerade Robert Johnson den Mittelpunkt de…

Der achtspurige Gehsteig

Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Wahrheit im Einkaufskorb dieser Frau Zu finden ist. Gerne erlaubt sich das ProduktEinen Spaß, indem es fleißig winkt, ohneEinen Blinker zu setzen. Das ist die falsche Richtung, denkt man und steigt nicht wieder ein. Wozu auch? Der Lebenslauf führt etwas anderes im Schilde, mit mehr Enthusiasmus, versteht sich.Da es manche ohne ihr Zutun wissen, als stecke es In den Genen einer jeden publizierten Arbeit,Schlagen wir es nicht in einem Lexikon nach.Der Tanz stoppt wegen der viel zu schlechten Schuhe. Gestern waren sie noch schwarz.Auch die Fotos von früher haben Hängetitten, mancheSind sogar barfuß. Auffällig ist der rechte Rand, Der einem Schafott gleicht, die Klinge mit Sojamilch Gereinigt. Wenn die Linse das gesehen hat, was Hindert uns daran, alles zu wiederholen?Der Fahrtwind kommt von oben – Aber kann das sein?Die Rache steckt noch im Kühlschrank, der Verdichterspirale, fest, neben der But…

1, 2, 3, 4, 5 ...


Es stand Eine hinter mir. Ich saß auf einem Stuhl, mit nacktem Oberkörper, vor einem Spiegel und schaute, wie sie meine Brüste formte. Bis zu ihren Schultern sah ich sie. Empfand sie schön. Tat sie einen Schritt zurück, verschwand sie in samtiger Schwärze. Tat sie einen vor, war mein Gesicht für mich im Spiegel nicht erkennbar. Ich stand auf, tat einen Schritt nach vorn und drehte sie um.


Er (unbekannt) hat meinen Oberkörper abgetastet. Hielt am Rücken, auf Höhe der rechten Niere, und sagte: Teichbestandteile. 

Warum ihr ein Mann an seinem Pferd (braun) erklärt hat, wie sie es küssen soll, hat sie nicht verstanden. Dafür aber, warum sie die versammelte Gesellschaft in der Kirche sitzen ließ. Nicht zum ersten Mal. Dabei ist sie nie eingetreten. Atemnot, Herzrasen und körperlicher Widerwille im schnörkellos weißen, hochgeschlossenem Pompsteifkleid, mit auslaufenden Ärmeln. Das Haar unterm Schleier, der zu einem Dutt gebunden. Nur ihr Gesicht, starkfarben geschminkt, war, außer ih…

Dopplereffekt

Damals auf dem Schrank wähnte ich mich unsichtbar, denn auch den Staub hatte niemand bemerkt, seine Jahresschichten intakt. Es fehlte nicht viel zur geweißten Rauhputzdecke. Das Gesicht in Deckennähe, der Grund und Boden so weit unter mir. Wenn ich über den Holzrand spähte, überkam mich das Gefühl der Fremde, wenn ich fallen würde, fiele ich in eine Welt, die ich augenblicklich verlassen hatte, um Höhe zu spüren, die Stimmlage dieser Höhe, ein Käfer, der sich tarnt, an Ort und Stelle verharrt. Da hatte ich einen einen kurzen künftigen Blick erhaschen können, nichts daran war spektakulär, keine Posaune, keine Hydra, die ein Tor bewacht, kein epileptischer Anfall, nur die Wand mit ihren Poren, ein Wink aus der Zukunft. Das konnte nur bedeuten: es gab diese Zukunft, ich war bereits dort zugange, darauf wartend, daß ich aus dem Jetzt ankam. Dort angekommen widerfährt mir ein Déjà-Vu, ein Dopplereffekt im Hirn, jedoch keine 'Fausse reconnaissance', nichts, was da nicht sein dürfte.…

Bei den groben Steinen

Mit einem Abbild der Welt auf meinen Lidern 
legte ich eine Weile zu den groben Steinen mich, 

mich einmal nicht mehr zu fragen: 

Wann, Mensch, bist du endlich deiner Stimme, einem anderen Menschen Wort? 
Wann, Mensch, bist du mit allen Sinnen Auge? 

und dachte: Wacker, was einfach beieinander liegt! 

So legte ich mich auch zu dir. 

Wacker auch die Arachnide auf meiner linken Brust, die ich dort hinsetzte, 
die blieb, ihre Zeit aus ihrem buntgemusterten Hinterleib zu seiden. 

Wacker bei den groben Steinen zu liegen 
umspinnt mit allen Sinnen Auge Sanftes Hartes für Weilen.

Unter dem Gras (Die Gesänge der Vril)

Die Reise SANDSTEINBURG

Wie sehr ein Werk an einem Menschen zehren kann, bis es ihn fast aufzehrt, da es notwendigerweise von ihm zehrt, ist demjenigen ins Gesicht, ins Gewebe geschrieben, der es, trotz der Gewaltigkeit, mit der es sich durchzusetzen fordert, die der Seele keine Ruhe lässt, schreibt.

12 Jahre : 7 Fassungen: die um die 10 Entwürfe brauchten. 7 Fassungen, die notwendig waren, um nun in zwei dickwandigen grauen Ordnern lose zu liegen, im Keselground, auf meiner Bettseite. Ich erinnere mich noch gut, wie ich die vorletzte Fassung in den Händen hielt, oder war es die vorvorletzte?, die ich zu lesen begann. Stück für Stück. Kapitel für Kapitel (: und wieder von Neuem beginnend, da du von vorne begannst, umstelltest, verwarfst: hadertest.). Dir meine Eindrücke schilderte, mich dir als Leserin vorstellte, die dir erzählte, wie es ihr erging. Spannend für beide Seiten. Zumal du zuvor gelobt hattest: Mit dir schreibe ich die SANDSTEINBURG fertig. Gesagt. Und tatsächlich getan. Ich ahnte, was für eine …

Wir kommen nicht vom Dasein weg

Statt ein vollständiges Buch zu schreiben, von jenem vollkommenen Buch zu träumen, das bisher nur Schlegel und Mallarmé mißlang, und jedes Wort in seiner Verbindung zum nächsten als das anzuerkennen, was es folglich nur sein kann: Etappe, Fragment. Das geträumte Buch ist das vollkommene Buch und es ist ein Buch, in dem alles wandelbar bleibt, ein ewiger Strom gesagter und nichtgesagter Dinge. Alle Gegensätze heben sich folglich darin auf und trennen sich darum um so schärfer und klarer, zeichnen sich kristallklar ab für einen verschwindend kleinen Moment, der nicht zu messen ist.

Nein, wenn wir Bücher schreiben, schreiben wir keine vollständigen Bücher, wir reißen nur ein Stück aus der Ewigkeit heraus. Wir haben bereits erlebt, daß die Avantgarde in Form kleinerer und größerer Feuer die Ordnungshüter und Traditionalisten in helle Aufregung versetzte. Die Feuer verzehrten sich selbst oder wurden von den aufgeschreckten Bürgern erstickt. Vorher hatten sich jedoch manche an diesen Feuern…

Die Antwort

Mir bleibt noch etwas Regen in diesem
aufgeräumten Gefäß, weggeschlossen zwar,
aber nicht unerreichbar, wenn ich einen
Stuhl auf den anderen stelle.

Die Trockenheit unter der Zunge ist
für ein besonderes Klima verantwortlich.
Als könnte man leise eine Treppe
hinab schweben, keine Spuren im Staub.

Mittags schälten sich die Passanten aus dem Laub,
die Straße aber blieb bestehen.
Die Folgen eines Bisses,
ein Fetzen Luft zwischen den Zähnen,
mit allen brillanten Brechungen vereint.

Jetzt endlich kaufte sie den Stuhl,
um den Ereignissen beizuwohnen.
Heute weiß ich es nicht,
aber morgen werde ich mich gefragt haben.


Crash (Cronenberg)

Der Druck auf meine rechte Körperseite,
auf diese Extremitäten,
die Knochen,
die äußeren Flächen.
Das Hervortreten der Schulterblätter.
Die Unterbindung des Blutflusses der Beine.
Das Gras berührt,
die Wange den Boden.
Das Klaffen der oberen Lippe.
Die Beckenschaufel wieder und wieder in Erde bewegt.
Die starkschnellen Schläge. Links, unter meiner Brust.
Unter den Rippenbögen, die flache Atmung.
Die Weite von vorn,
von hinten Wärme.
Die Haut deiner Hand.
Das Blut schmeckt eisern.

„Maybe the next one. Maybe the next one.“

Das mag wirklich alles gewesen sein

Zunächst drückte sie mir den nassen Spülschwamm ins Gesicht, den ich als gerechtfertigt betrachtete und nahm wie ein Mann. Ich hatte eine gewisse Art, die Dinge zu benennen, die man unmöglich durchgehen lassen konnte. Dann suchte sie der Reihe nach meine Sachen, die ich überall verstreut herumliegen hatte, machte die Wohnungstür auf und warf sie nacheinander die Treppe hinunter. Jedes mal mußte sie das Licht im Treppenhaus neu starten. Statt daß ich sie daran hinderte, eilte ich meinen Habseligkeiten nach und riskierte damit, daß mir weitere Dinge nicht nur um die Ohren flogen, sondern mich sogar trafen. Sie zu hindern wäre einfacher gewesen, aber ich wollte sie den Rausch auskosten lassen, mich samt und sonders vor die Tür zu setzen. Als sie nichts mehr fand, das sich mir entgegenwerfen ließ, fing sie an zu heulen und sagte, ich solle wieder nach oben kommen. Das ging natürlich nicht. Ich weiß, daß ihr Schriftsteller manchmal bescheuert seit, sagte sie, aber du bist ja noch keiner. W…

Schwerkraft zum halben Preis

Nebenan, beinahe in der Hinterstube, so aber doch noch im Wintergarten, verkaufte Frau Emsrente Schwerkraft zum halben Preis. Es ist da in den letzten Jahren gehörig etwas ins Wanken geraten, und da man zu keinem Zeitpunkt wußte, was Schwerkraft überhaupt ist, wußte freilich auch niemand, wie man ihr Fehlen kompensieren sollte. Aber Frau Emsrente hatte einen Schwerkraftmixer, eigentlich ein zylindrisches Haushaltsgerät, das von außenliegenden Solarringen umschlossen wurde, und auf dessen Innenseite eine mit Sauerstoff gefüllte Biosphäre angelegt war. Man kaufte Frau Emsrentes Schwerkraft, wenn man etwas im Umland spazierengehen wollte.


Die Mädchen wehen die Bäume

Sie sagten, die Mädchen wehen die Bäume. Schließen Sie die Augen und versuchen Sie sich zu erinnern. Um was ging es? Warum wehen die Bäume? Wir müssen wissen, warum die Bäume wehen.

Ich weiß nicht so genau. Erinnere mich nur an diese eine Patientin, über Fünfzig war sie. Sie hat mir davon erzählt. Es ging um irgendwelche Mädchen, die über ihr wohnten bzw. vorbeikamen, um dort eine Radiostation zu betreiben, mit der sie das Wetter beeinflussen konnten und durch die sie sich mit ihr unterhielten, sie aber auch beschimpften. Die Mädchen wehen die Bäume, hat sie immer wieder gesagt. Die lackieren sich die Nägel auf Russisch. Das wären nämlich Russinnen, die sie „fertig machen“ wollen. Sie wäre ihr Hund oder so. Hat auch recht viele Redewendungen benutzt, nur immer sehr eigensinnig abgewandelt. Das Interessante war, so abstrus das alles klang, nach einer Weile kamen immer mehr Informationen hinzu, die die Lebensgeschichte dieser Frau dahinter durchschimmern ließen. Sie hatte Germanistik st…

Holzwurm

Im obersten Stock des Cafés gingen die Rinderhälften einher; getragen wurden sie von mächtigen Rücken, denen der Skrupel fehlte, zusammenzubrechen. Filet auf Filet, die Füße auf dem ausgewalkten Teppich; auf dem Tisch: Kaffeeflecke ringelten sich wie die Jahreskreise eines gefällten braunsaftigen Baums, olympisch, Zelle für Zelle; ein Tag. Am Abend sangen sie alle Wish You Where Here, wozu sie Jim Beam aus einer Dreiliterflasche soffen und den Tränen immer näher kamen; aus der Kneipe herauf quoll der Blues wie Hirsebrei aus dem Topf. „Töpfchen koch!“
Oh, ihr Gäste, ihr fremden Menschelgen, heute abend schob ich keine Pizzableche in den Feuerschein, verzupfte nicht Salat, schlug keine Filets, zerstieß kein angetrocknetes Mehl, heute versoff ich das Geld, das ich gestern in der Küche verdient hatte, vor Feuerschein und Gurke. Setzt euch doch!
„Setzen wir uns doch!“
Auf die Stühle, die ich mir borgen mußte, genauso wie den Tisch, den wir nicht brauchten, weil wir alles auf den Boden schm…

v.Ision - Zum f.Enster hinausschauender m.Ann, hineinspähender Doppelgänger

Julio Cortázar - Erzählungen

Julio Cortázar war einer der Begründer dessen, was als Lateinamerikanischer Boom bekannt wurde. Ein Romanschriftsteller, Dichter, Dramatiker und Essayist war er, aber - und das ist das Wesentliche seiner Arbeit - vor allem ein fleißiger Erzähler von Kurzgeschichten. Er begann seine Arbeit unter dem Einfluß des Surrealismus. Seine phantastischen Erzählungen beginnen meistens mit einem gewöhnlichen Setting, in das unerwartet das Fremde, Seltsame einbricht. Seine Tätigkeit als Übersetzer, inklusive der Erzählungen Poes, beeinflussten sein Schaffen ebenfalls.
Viele phantastische Geschichten kommen um eine thematische Ähnlichkeit nicht herum. Es scheint oft so, als stünden sie in Beziehung zueinander, wären verbrüdert und verbunden durch eine Röhre. Viele solcher Geschichten haben gemeinsame Einflüsse wie Arthur Machen oder H.P. Lovecraft, während andere unheimliche Elemente benutzen um zeitgenössische Stimmungen einzufangen. Manchmal sind diese Verbindungen offenkundig, in anderen Fällen …

Olga und der Ring

Olga öffnete die Tür und fand einen Ring. 'Natürlich', wird jetzt jeder sagen, 'natürlich fand sie einen Ring. Das ist ein Märchen, und da findet irgendjemand, der dann vielleicht auch noch die Hauptfigur ist (oder mit ihr in direktem Kontakt steht), ihr Gegenspieler sein mag, immer einen Ring oder ein anderes Artefakt.' Trotzdem hatte es etwas Besonderes mit diesem Ring auf sich: Er war nämlich gewöhnlich.


Nymphentag 77

Die beiden Belegexemplare der Sonderausgabe IF sind heute angekommen, und ich muß sagen: das ist ein fettes, umfassendes Kompendium, das jetzt schon Kultfaktor besitzt. Tobias Reckermann, selbst Autor und kurzzeitig im Nymphenbad als Rumor zugange, hat hier hervorragende Arbeit geleistet. Natürlich unterscheidet sich das Nymphenbad von den Anforderungen des Magazins. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Leser mit einer gehörigen Portion Unverständnis auf das reagieren, was sie im Weblog lesen, nur muß ich anmerken, daß ich, um mental dorthin zu gelangen, wo noch niemand gewesen ist, keine Grenzen der Sprache anerkenne. Überhaupt sind die Machenschaften einer Konsensliteratur für mich ein steter Quell des Zorns, der an Dummheit nicht mehr zu überbieten ist. Das phantastische Element, das wir in der gegenwärtigen Hochphilosophie vorfinden (wo es auch hingehört), darf nicht durch künstliche Grenzen des Sagbaren aufgehalten werden. Die Strukturen des Phantasmas begründen eine Wirklich…

Kältekontainer

Sprecher: Michael Perkampus / Sarina Mira

Ball & Bällin

Ich wollte sprechen. Doch es kam nichts. Meine Stimme. Sie blieb mir einfach im Hals stecken. Ich versuchte es erneut, wollte dir doch unbedingt etwas sagen, wollte mich äußern. Doch wieder blieb sie stecken. So, als hätte sie ihren eigenen Willen. Ich spürte sie in meiner Kehle. Nicht einmal unangenehm. Weich sogar. Ich fasste an meinen Hals. Dorthin, wo ich sie spürte. Sie bewegte sich, fand den Weg nach oben in meinen Mund. Das war in keiner Weise unangenehm, eher salbig in meiner Kehle. Ich spürte sie auf meiner Zunge, gar nicht sehr konsistent, aber wie schon gesagt: irgendwie weich. Ich schaute dich an. Du wartetest. Wartetest, dass ich etwas sagte. Ich ließ sie auf die Innenfläche meiner linken Hand hinab. Sie sah aus wie ein kleiner Nebelball. Nebel, der sich bewegte. Du schautest erstaunt, wolltest auch etwas sagen, aber du konntest es ebenso nicht, dir passierte dasselbe. Auch du ließt dir deinen von deiner Zunge über deine Lippen auf deine linke Handinnenfläche gleiten. Bet…

Der Pionier

Da es ihm nun schon einmal passiert war, wollte er es natürlich auch
                                                                                        verschweigen.
Daß sich vor ihm Brücken bildeten, wenn er auf ein Hindernis
                                                                                              zusteuerte,
das kam erst später. Also saß er auf der Küchenbank, drückte
sein Gesicht in die Suppe und erinnerte sich an all seine Taten,
bei denen er die rechte Hand nicht eingesetzt hatte, verschluckte
sich an mehreren Wintern, trug diesmal jedoch nicht so dick auf.
"Ich sterbe", dachte er, was immer das zu bedeuten hatte.
"Ich sterbe im Saloon zu Memphis." Und damit war der Fall erledigt.


SSB - 4 - Nach dem Sturm, Einschub 1 (Der Böhmwind)

Die Augenbirnen in den Nußschalen, in regengebadeten Prismen, also ein künstliches Land. Ohne mich zu kennen, bin ich gerannt und schüttelte Hände im Sturm Alabasters, die Sagen vergessen das Land unbekannt. So stehen die Ritter bei Grabe und schmettern Gewölk vom Gesicht in die Tiefe aus den Höhlen der Mesmerei, dort hatten sie einst Schafe erschaffen mit Wolle durch silberne Lettern und Angst an der Wand stets in Blei. Es scheint mir alles zu sein und ich weiß nicht : es scheint eine Art Stille zu sein, die uns in ein Vakuum fließen läßt und ich weiß nicht : es scheint eine Art Verzweiflung zu sein, die uns einander näher bringt.

Empfinden und Loch

Das Empfinden wird in eine große Sache gegossen. Die große Sache ist demnach zur Hälfte voll geworden. Das Loch ist zu groß für das Empfinden. Die große Sache ist das Loch, das zu groß ist für das Empfinden, das zu klein ist für das Loch, die große Sache. Natürlich wurde falsch empfunden und dann bemessen – ebenfalls falsch, weil falsch empfunden wurde. Man mußte das Empfinden wieder herausnehmen aus der großen Sache und das Loch zur Hälfte zuschütten, aber das Loch fraß alles, die Erde und alles, und vorher das Empfinden und alles. Das alles.

Nymphentag 74

Die Erkenntnis wurde erfunden = sie ist kein Bestandteil der menschlichen Natur, nicht der älteste Trieb des Menschen; sie ist nicht keimhaft in ihrem Verhalten, ihrem Streben und Trieb. Die Erkenntnis ist das Ergebnis der Konfrontation und der Verbindung des Kampfes und des Kompromisses zwischen den Trieben. Weil die Triebe aufeinander stoßen, miteinander kämpfen und schließlich zu einem Kompromiß gelangen, entsteht etwas. Und dieses Etwas ist die Erkenntnis. Sie gleicht dem Funken zwischen zwei Schwertern, der ja auch selbst nicht aus Eisen ist. Es gibt keine vorgängige Übereinstimmung oder Affinität zwischen der Erkenntnis und den zu erkennenden Dingen. Das ist der große Bruch mit der Tradition der abendländischen Philosophie. Der Gesamtcharakter der Welt ist Chaos, nicht im Sinne einer fehlenden Notwendigkeit, sondern der fehlenden Ordnung, Gliederung, Form, Schönheit, Weisheit. Die Welt versucht keineswegs, den Menschen nachzuahmen; sie kennt keinerlei Gesetz. Die Erkenntnis hat …

Eins Zigarette & Eins Bier

Oh. Die Säfte sind traut. Oh. In den Pausen verstaut. Der Hafer des Balkons, die Sonne der Lenden, die güldhuschenden Finger=Fische fangen an einem Anfang an und zapp=happeln all over the great white north der Körperkuppeln, die sich ungestüm auftürmen und Lechzer fahren lassen über das Tal des Raumes (denn links in der Ecke fehlt die Erhebung des Lagers); aber bald wird Draht; und bald werden die Windungen der Ornamentik Einzug halten. Es war: die Magd die Körperkulisse ("Und wirst du ...?!" - "Ich werde ...!" - "Und ob du wohl ...!"), die Herrschaft die Grafschaft die Zeitverschiebung der Körpertau die Mitte der Draperie.
In den Pausen: Morgen bekommst du.
Eins Zigarette & Eins Bier.

SSB - 3 - Der Elvegust, Einschub 1 (Der Böhmwind)

Ich bin im Schloß gewesen, denn dort lebten wir neben der schmerzlindernden Kanzblume am Flußrad, überginstert mit diesem morschen Zaun, der sich die Zähne aushob, frisch gebrochene Latten, von den Fähen im Trittbild wechselnder Schrittlängen mit dem Wildwuchs Hand in Hand (am Johannistag steckt in den Mulden Bergwohlverleih, um den Bilmenschneider zu verschrecken). Schandhaube oder Hahnenkamm, das Geschenk an dich. Es biegt sich um deine Nase, läßt sich für immer Frühling nennen, für immer aufgetanes Wunder, immer First auf Firsten, ochsenköpfig schneebebergt.
Die Novelle : hört es sagen von der abgerollten Rolle gelesen (als stünd’ er da in Stulpen) mit diesem Erlaß (und kann die Kurrentschrift schlecht lesen) scharrt auf dem Podest, ein Knopf weist auf eine Schublade hin die unter dem Rhetor andere Rotuli enthält, Frikative Labiale (hier etwas Speichel in den Backenofen fahren lassen, an der Zunge zunken, wie eine Zitze zutzellen, schnaupen durch ein einziges Nasenloch, Atem pfeife…

Komposita über das Sterben im Gemäuer

Die möglicherweise bekannteste Daguerreotypie von Edgar Poe ist die ›Ultima Thule‹ genannte vom 9. November 1848, entstanden vier Tage nach seinem Selbstmordversuch. Dieses Portrait wurde nach einem Zitat aus Poe’s Gedicht ›Traumland‹ (orig. ›Dream-Land‹) so bezeichnet, weil man in ihm einen Ausdruck trotziger Verzweiflung am Rande des Todes gesehen haben will. Für die meisten Poe-Liebhaber ist dies das Bildnis, das am ehesten zum Charakter des Werkes zu passen scheint.
Baudelaire bescheinigt dem Bildnis, dass Poe dort ein recht französisches Aussehen an den Tag lege, in Wahrheit war der Dichter vom Alkohol gezeichnet. Das ursprünglich recht feminine Gesicht weißt tiefe Furchen auf, die Augenpartien zeichnen sich unsymmetrisch ab.

Doch nun geschieht etwas Merkwürdiges in einem Leben voller Merkwürdigkeiten. Am 13. November, also vier Tage später, sieht Poe bereits wesentlich erholter aus. Zu sehen auf dem ›Whitman-Daguerreotypie‹ bezeichneten Portrait.

1849 wirkt Poe dann beinahe wi…

Dok1 / to wait

Ein mit Propofol gefüllter milchweißer Kubus schwebt in der Mitte des Teilnehmerparkours. Wer ihn als erster erreicht und auf die richtige seiner sechs Flächen stellt, darf, nach 30 Jahren Abwesenheit, das, bei geführter Hand, selbst signierte Selbstportrait „Happy“ in einer eigenen Ausstellung betrachten, in der jeder vom Himmel geholte Black Hawk der protokollierten Kriegsgeschichte der Menschheit von der Decke herunter ragt. Die anderen entfallen. Das zu tragende Flügelhemd wird dem Sieger zuvor an der Garderobe ausgehändigt. 
Ist dies geschehen, wird zu seinen Füßen der Schatten eines Falken erscheinen, der ihn, begleitet von kräftigen Ovationen, zu seinem Empfang führt. Tief dort unten im Eise. Dort, wo es dunkel ist, sind die Empfänge heller.

Eruptogenius (Haltbarer Kristall)

Die Rückläufigen Ängste der Konz

Tanze, Konz,
Tanze in der Milch menschlicher Kindheit!

Brosamen-Skizze, Katarakt-Design, Wildflächenstraße,
Reh-Hirsch kreuzt beim Rasieren das Waschbecken des
Grauens. Her mit der Hand, du Wildwuchs der
Posaune! An den Schunkel-Liedern erstickt die
Gefällige Masse, der Spasmen-Fanclub. Das
Blöde Licht spottet der Morgenwäsche, dem
Eingeölten After, der rasierten Zwetschge.

So ein Tag, so butterbroten wie heute. Im Porno
Kino : Minnie Maus mit Dildo.

Das Veloziped ronderte und rumpte über die
Schlank anzusehende
Straße ohne Kurve, ohne Gerade, ohne Teer, ohne Fuß
Gänger, überhaupt gab es keine Straße &
Das Veloziped war vielmehr ein Bein in Socken,
Oder zwei Beine, vom Rumpf getrennt, die über
Ein Waschbrett stompten & Geräusche machten,
Als würde Seifenlauge gemischt. Aber hinten
Krächzte ein Hahn, stellen Sie sich das vor!

Fand der Metzger seinen Dollar wieder, den er
In einer Schweine-Fud vor dem Finanzamt versteckt hatte?
Aber ja, Konz, aber ja! Gegrillt
Eines Tages &a…

IF#666 - das Magazin für angewandte Fantastik

Philosophisch in den Herbst hinein geht es mit der Sondernummer des IF-Magazins, das just ab heute zu beziehen ist. Tobias R. hat sehr viel Mühe investiert, und ich kann noch nicht beurteilen, wie die anderen Beiträge sind, da es mir noch nicht vorliegt, aber über Alberas Essay: Die Erotik im literarischen Horror, oder das Zwiegespräch zwischen mir und Tobias: Horror denken, lässt sich sagen: Es sind Statements. Darüberhinaus gibt es neben vielen anderen und stilistisch abwechselnden Stories meine Dorothea zum ersten Mal in der Endfassung. Daß ich zudem das Vorwort beitragen durfte, ist mir eine besondere Ehre.

Nephele

Nicht der sein

Nicht der sein, mit dem man sich trifft, sondern der Getroffene, der dort schon steht, wohin der Weg die Schritte lenkt; hinausschreiten, ausschreiten: dann verwandelt sich alles in die Erlebniswelt dessen, was erinnert ist.

Wie es mich beruhigt, wenn sich die Schatten legen, wenn sich die Nacht klart und schließlich aufhellt, wenn die Sonne der Lustfaktor ist, wenn ich mich mit den Schatten versöhne, die den Weg frei geben zur Rose, wenn Schmetterlingsflügel Transformationen ankündigen. Die Rose, die dem Blut des Adonis entsprang, dem schönen Liebhaber der Aphrodite, blüht noch dort, wo der Eber Ares ihn tötete.

Hier ist es geschehen, hier überblickt man das Rosenbett, die Blüten, die sich zur Sonne hinwenden, weiblich, mit ihrem Duft erregenden Rosenduft zwischen den Schenkeln.

Aiga und Hybris

Wie ich dann doch einmal komplett verzweifelte, war eine Geschichte, die ich mir selbst erzählt hatte. Vor langer Zeit. Näher gebracht hatte ich sie dir. So nahe, dass du eigentlich durch sie hindurchschauen konntest. Denn noch näher wäre nicht möglich gewesen. Unmöglich gar. Aber das Wunderbare am Unmöglichen ist ja, dass wir es wieder und wieder versuchen. Manchmal auch mit einer gewissen Hybris, egal ob beide Beine mitmachen oder nicht. Ob du einfach einen Fuß vor den anderen setzen kannst oder nicht. Bis es wieder in Ordnung ist und du über Schrittabfolgen nicht mehr nachdenken musst. So, wie zuvor.

H y b r i s. Allein das Wort legte sich manchmal wie ein Kranz um ihren Kopf. Als wär´s ihr Haar. Dann ist es, als wolle sie nackt, nur mit einem Rock bekleidet, diese Nordwand erklimmen. Und sie tat es. Während Aiga, die felsige Trollin, herzlich darüber lachte. Ihr Handy trug sie dabei in ihrer Rocktasche, um ihre Mutter sprechen zu können, sollte es möglich sein. Ihr zu sagen, dass …

Lillebrök (Die Phantasiererin mit dem geisteskranken Shawl, oder: Brache Wasser, stille Spucke)

Sprecher: Michael Perkampus, Sarina Mira

Rauschhafte Zeremonien am Rande des Gartens

Vor einem Jahr

Der Einschlag geschieht in den richtigen Sektoren; die Woche hat ihren Mittwoch erreicht. Bereits jetzt schält sich aus gewissen Lichtungsergebnissen eine Reise in den neblichten Aspekt, anberaumt für das nächste Jahr, aus den Ereignissen heraus, die sich nicht nur mehr überschlagen, sondern, ganz famos, gleichzeitig sind. Ein Zustand also, den das Wort nicht erreicht, sobald es Raum betritt. Hier schichten sich Schichten zu neuen Schichten, verankern sich, bedingen sich und weben neues Sphärenmaterial.

Frühstück auf dem Markt; im Künstlerhaus am Nachtmittag treffen wir Kokko. Das wir ist kein Zufall. Wie schnell man sich verdoppelt, wie schnell man sich wirklich verdoppelt und dann vierfach sieht. Ende für heute.

Links ist da, wo der Daumen rechts ist

Gesagt : getan, die Wahl: steht noch aus. Trotz vier Beinen, die aus zweierlei Gründen den Erdball im Gummilauf nahmen, standen wir beide pünktlich um Zehn auf der roten Matte der Linken. Dass sich solch ein noch Farbe bekennendes Politzelt in Kempten aufschlägt, ist erstaunlich und gut, steht dem Rot in extremo doch allenfalls noch ein Braun gegenüber, das sich, folgt man der Logik der Verdauung, konsequenterweise einen Weg in die Welt bahnt, stellen wir den Hirntod des jeweils weiterhin wandelnden Wirtes fest, der seine Denkmuskeln abbaute, ohne es je mitbekommen zu haben, freilich: da er sie ja nie nutzte. Alle anderen Farben sind entweder abgewaschen oder stark gebleicht. O.k., ich räume ein: Kapitalschwarz gibt es noch. Und das in erster Linie. Und höchstwomöglich bis zum Schluss.

Wann ist das eigentlich: Schluss?

Die Apokalypse war ja schon. Scheint nur oft so, als hätte es niemand mitbekommen. (So allgemein gefühlt. Was sonst. Individuelle Ansprache und Antwort gebärdet sich ja…

Nymphentag 70

Von der Backfront : noch gestern (dunkel war's, kein Mond schien helle) in den Herbstduft gestiegen, mich hingetastet (obwohl ich doch ein Elektrokleingerät zum Kneten) an den perfekten Honigbatzen, von dreien zwei nach Rachen=Erkenntnis genuß=gut, für die nächsten hellen Tage : noch mehr Honig, noch mehr Zimmet, etwas weniger Nelkenpulver; ach : und Hirschhornsalz fehlte auch diesmal. (Ob ich da mal selbst im Wald?)

Im Rachen kitzelt das KlingGlöckchen und ich lege mich ganz sicher jetzt schon ins Bett; im GrammaTau bis 20 hochgelesen, am Stand der Linken, man hat in dieser schwarzbraunen Kloake doch tatsächlich einen roten Lichtblick.

Modellbau

aufgenommen in der klangschmiede süd februar 2011 text und regie: michael perkampus aufnahmeleitung und mastering: fafnir fiedlererschienen in der edition taberna kritikasprecher: michael perkampus, stephanie petrussek, fafnir fiedler, claudia maulwurf
»Das sieht alles so roh und verletzlich aus …«
»Nunja, es ist ja auch frisch geschlachtet.« Ogreiner grinst sein fleischiges Mundwerk zur Kundin hin. Im Hintergrund die Poster mit den Hellebarden, eins mit dem Porträt des alten Perdix, Sägemotoren zu seinen Füßen. Im Öl schwimmen Rinderhüften, Haut, Horn. Auf einem großen abgeschabten Holztisch Schlachtschussapparate, eine Wanne voll Blut, auf der einige blau perlende Blasen wippen, zumindest sieht das so aus. Die Knochen … »wenn Sie die nicht zerhacken, können wir sie wieder zusammenbasteln. Die Kinder hätten ihre Freude daran, wollten schon immer ein Skelett. Klar, die Kuh ist ziemlich groß (oh ja), die paßt nicht in ein Kinderzimmer … Wissen Sie, wir haben ja beide Bankert in nur e…

lull & lall

Ja: Einfach nur müde. Leicht in Watte gepackt, empfinde ich das als völlig angenehm. Frühes Zubettgehen gestern Nacht.

Vorher: noch die klamme Wäsche auf dem Wäscheständer befühlt, den Duft mit den Nüstern angehoben. Der Mund, sich schon zu einem Brunnen wandelnd, aus dem mehr & sehr floss, was wollte, plapperte noch: Bald schneit es! Du lachtest. Ich tat mir vor meinem inneren Auge einen Knoten ins Tuch, nicht zu vergessen, vor dem nächsten Holunderstrauch meinen Hut zu ziehen, ihr Tribut zu zollen, dass sie mich in der Weise an sich erinnert. Zeitbrot hatte A. Lausbub am großen Abendtisch mir als Wort angeboten, während alle außer ihm aßen.

Stell' die Worte um, Fischseele! Dann: Ruhe wahrgenommen: Die Brustkorbhebung. Die Brustkorbsenkung. Die Halbdunkelheit. Die Annahme der Geräusche der Welt. Den eigenen Talg auf dem Kopfkissenbezug riechen. Den Schlaf kommen lassen. Die Verstärkung der Wahrnehmung der Düfte. Keine Codes. Keine Sinne der Gewohnheit. Mich neben dich schlafen l…

Die Fahnen

der Mann, der so an der Theke krümmt und sagt : Sie schulden. Und ich schulde ja nicht, ich bin nur da und ich habe mir das alles nicht ausgedacht. Sie hatte die Idee, die A3=Fahnen vielleicht aufzuhängen; wie sie dann auf der Leine baumeln und bammeln : was wäre das für ein Leinen=Büchlein, für ein Bestimmungsort; ich stelle mir 200 flatternde Seiten vor, Tableaus allesamt, aber noch mehr wie sie wäschegleich wedeln und genausoviel zu sagen haben wie etwa Unterhosen, die irgendwo gewesen sind, verschreibe mich manchmal, schreibe „sie“ statt „sich“ und umgekehrt, tja – und dann noch das Weckblech, das nicht mehr will, weil vermutlich niemand hört