Montag, 7. August 2017

Von Antlitzen

Er grinste, ich gluckste. Schaute mir, nachdem ich Michael Liberatores großartige Arbeit für die Miskatonic Avenue erblicken durfte, gestern noch lange Eriks für die "Roten Bastarde" an. Es ist erstaunlich, dass ein Zweites, ein Anderer, genau das visualisiert hat, was ich mit den Bastarden bzw. der roten Bastardin verbinde. Er zeigt mir ein Antlitz, das ich schon lange kannte. Er hat es an die Oberfläche geholt. Es ist nun zu einem geworden. Das war sehr spannend für mich, da mir Erik einzelne Entwicklungsschritte darlegte. Ich durfte teilweise step-by-step mitverfolgen wie es Kontur annahm. Am Anfang konnte ich noch nicht erkennen, was daraus werden sollte, reagierte auch dementsprechend ehrlich, obwohl ich die bereits angelegte Perspektive, die mich an eine sozialistische erinnerte, wie ich sie aus Kindertagen von Mosaiken und Statuen her kenne, nicht uninteressant und klug fand. Ich bin ja in der DDR aufgewachsen. Das wusste Erik nicht. Dennoch war ich zuversichtlich, da ich die Wesen seiner Werke sehr stark finde. Verblüffend wie er es entbändigt hat, denn das erste Bild war mir, bis auf die Perspektive eben, erst einmal ein recht braves, gar neutrales. Darauf hatte er mich auch hingewiesen. Es entspricht offenbar seiner Art & Weise, seinem Wesen, wie er sich dem, was will, was sich darin zeigt, nähert.


Und so hatte ich ihn schon um eines seiner Werke gebeten, das bereits existiert, das ich ins Auge gefasst hatte. Es war die Lady de Santa Muerte. Die ich nun im Nacken habe. Sie sieht es mir jedoch nach, dass sie nun nicht das Cover ziert, steht mir auch weiterhin zur Verfügung, schrieb Erik. Wahnsinn! Das sind keine eindimensionalen Amazonen für mich, die sich marktfähig im Gender-Roleplay verdingen. Keine Makings of You. Es sind Priesterinnen. Undurchdekliniert und uneingetrieben.


F: Sie brechen der Liebe eine Lanze?

A: Gewiss.

F: Ad omnes partes?

A: Ad multam noctem.

Kommentare:

  1. Es freut mich wirklich, dass es dann doch noch passend zu werden scheint. Ich zeichne ja nicht mehr viel, und mit Kollegen Liberatore kann ich mich diesbezüglich nicht messen. Aber ein bisschen ehrgeizig bin ich dann doch noch :)

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  2. Es scheint nicht nur so. Das ist das Bild.

    ... mit Kollegen Liberatore kann ich mich diesbezüglich nicht messen ...

    Haha. Stimmt nicht. In diesem Moment hast du es ja getan. Ist doch auch gut so. So erfasst der eine die Stärke des Anderen. Die von außen an einen drangelegte Leistungslatte führt ja allenfalls dazu, nach noch einer und einer Latte zu rufen, um dann endlich Ruh zu haben, im Tipi aus Nachbars Zaun, den man dafür verwendet hat.

    Liberatores Stärke, und das ist ganz das was für mich herausragt, ist sein erzählerisches Moment, dass ich in seinen Bildern finde. Er schafft es durch ein Einzelnes eine ganze Geschichte beim Betrachter zu evozieren. Spielt dabei die Vergangenheitsform wie auch das Futur an. Das Geschehene und das in der Zukunft Liegende. Das sich Anbahnende. Das gelingt ihm mit wenigen Strichen. Er ist ein Erzähler. Dabei oft auch komisch und witzig.

    Auch deine Bilder erzählen. Aber du machst etwas völlig anderes. Und ich gehe dabei ja immer von der Wirkung eines Werkes / der Werke auf mich aus. Ich beobachte was es mit mir macht. Deine sind mir monumental, halten eher einen Moment, in dem eine kraftvolle Bewegung stattfindet, die von revolutionärer / evolutionärer / grundlegender Energie ist. Es ist als ob du mit Pinsel und Stift in den Wesen ein Feuer bannst, dass sie in diesem Moment von dir ziehen. Ein solches, das sie auflädt, sie vermöge macht die Welt aus den Angeln zu heben. Ich muss z.B. sehr oft an das Wort Spirit bei dir denken. Archaisch sind deine Bilder auch oft. Aber nicht einer nur rückbezüglichen Weise. Denn sie sind auch futuresk. Das ist deine Stärke. Du fasst das Wesenhafte ganz anders. Ich denke da mehr an einen Spiegel.

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    1. Das war eine Respektansage and das wunderschöne Cover, das Michael erschaffen hat. Ich ziehe vor seiner illustratorischen Arbeit zutiefst meinen imaginären Hut.
      Und ich mag es, wie Du über meine Bildder sprichst. Das geht runter wie Honig.

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