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verstummt

(entstanden zur Mondscheinsonate von Beethoven)



Blätter am Ast, windgepflückt
geschwind im Mond, im silbrigen Mond
mein Haar, mein krauses am Stoff meines Kragens
gewohnt, gewohnt das
leise Schaben meines Leibes unter dem Kleid
das Gurgeln von Milch am Morgen
der feuchte Klang meiner Sorgen
das Klopfen des nervösen Schuhs auf die Dielen
die vielen kleinen Dinge
sie singen nicht mehr

das Klappern des Deckels
wenn das Wasser kocht
und allzu oft nun, allzu oft
auch der leise Applaus
von weichen Frauenhänden
schlich zum Fenster hinaus wie
das Kratzen der Feder auf Papier
entfloh mir schon gestern
und fester, und fester
die Sehnsucht, den Hass
der ins Papier gedrückte Gesang
der Tinte verschwand
und dann
das wutentbrannte Schlagen der Türen
das Klatschen der Faust auf die Wange
bis das zornige Lauschen verklang
versank geschwind wie das Jaulen des Winds
der grölende Gassengänger bei Nacht
verlief sich mitsamt der Wirtshaussänger
der Leierkastenmann spielte für mich die Leier kaputt
Geschirr zerbrach, und ich versprach
mir letztlich nichts mehr davon
Feuerwerk und die Glocken des Doms
verklungen
Samstagmarkt und Sommergedonner
verstummen

ein Schrei, mein letzter Schrei
dann ist alles, alles ist vorbei
und doch könnte ich schwören

ich kann die Musik noch hören

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