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Fragen sie ruhig

Wenn wir es schaffen, unseren Kopf zu heben, uns auf unsere Umgebung zu konzentrieren, dann sehen wir die Wunder, die uns tagtäglich umgeben. Es ist durchaus lohnend, sich diese Tatsache regelmäßig ins Gedächtnis zu rufen. Kann ich Armeen aus der Erde stampfen? Wächst mir ein Kornfeld aus der Hand?*

Erinnerungen können trügerisch sein. Meistens wissen wir schon bald Erlebtes und Traum  nicht mehr zu unterscheiden. Der Schatten, der mich vorhin verfolgte, war er echt? Oder war es bloß die Zeit, die hinter mir ging und versuchte, mich nervös zu machen, mich schneller voranzutreiben? Der korpulente, bärtige Mann, der sich in der Umkleidekabine des städtischen Bads auf die Bank neben meinem Kästchen setzte und mehrmals beiläufig um Hilfe bettelte, war er mein schlechtes Gewissen? Warum hat er dann dankend abgelehnt, als ich ihn nach den Ursachen fragte? Er lächelte mir verschwörerisch zu, als wüsste er genauestens bescheid. Worüber wollte er aber partout nicht verraten. "Fagen Sie ruhig.", hat er verkündet. Ich bin mir nicht sicher, ob es mir gegolten hat. Dann ist er wieder aufgestanden und einfach gegangen.

Ich fühle Sehnsucht nach dem Fremden Land in mir keimen. Ich freue mich auf die Arbeit am nächsten Roman. Die Gestade, die ich darin anlaufen werde – war ich wirklich da? Wenn sich die Reiseberichte aus meinen Fingern schlängeln, über die Seiten krabbeln und zum euphorischen Marsch durch scheinbar vertraute Gefilde sammeln, kann ich dann sicher sein, woher sie stammen?
In Wirklichkeit spielt es keine Rolle. 

Ich versuche, meine Spaziergänge weiß und leer zu halten. Unberührt wie die Seiten, die ich mit meinen Geschichten zu füllen gedenke.

*„Die Jungfrau von Orleans“, Friedrich von Schiller

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