Montag, 17. Juli 2017

Nona Fernández - Der Himmel

Die moderne Literatur wäre ohne Filmtechniken gar nicht mehr denkbar. Die Chilenin Nona Fernández macht da natürlich keine Ausnahme, schreibt in Schichten, überlagert Szenen und wechselt innerhalb kürzester Zeit die Perspektiven. Ihre Sprache ist simpel, sie lenkt nicht ab von dem Unerhörten, das sie erzählen will. Die sieben in "Der Himmel" vertretenen Erzählungen sind Schaustücke ihres Könnens. In "Die Toten im trüben Wasser des Mapocho" - ihrem ersten übersetzten Roman - nimmt sie sich etwas mehr Zeit, ohne jemals an Dichte einzubüßen. Was ihr gelingt ist, das offensichtlich phantastische Element völlig auszusparen und dabei absolut phantastisch zu schreiben. Von den Amerikanern kann man das Fabulieren lernen, wenn es aber um Technik geht, ist der südliche Kontinent nach wie vor das Maß der Dinge. Hier muss man staunen und lernen - und hierzulande haben wir das Lernen so bitter nötig. Der kleine Wiener Septime-Verlag legt hier die wahnsinnig gute Übersetzung von Anna Gentz vor. In der NZZ stand zwar von einer "guten Portion Realismus" zu lesen, davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, auch wenn es wie eine Drohung klingt. Realismus ist Privatsache, wie wir alle wissen.

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