Sonntag, 16. Juli 2017

Die Abbruchhäuser zwei Straßen weiter

Cixin Liu ist ein unglaublicher Schriftsteller. Werde ich jemals so gut sein wie er? Ich glaube, eine eigene Geschichte auf seinen dicht beschrieben Seiten entdeckt zu haben. Muss aber noch abwarten, ob er die gleiche Idee hatte wie ich. Kopieren will ich ihn nicht.

Heute den ganzen Tag nur gelesen und Marker für meine zukünftigen Erzählungen hin und hergeschoben. Eine Liste angelegt, um nichts davon zu vergessen. Der kleine Herbst ist beinahe vorüber, und man kann der Stadt regelrecht dabei zusehen, wie sie wieder unruhiger wird. Obwohl es Sonntag ist. 

Ich habe mir Bücher für die anstehende Recherche bereit gelegt. Ich habe die Angewohnheit, ihre Seiten zuerst einmal schnell über meinen Daumen blättern zu lassen und erwartungsvoll den Geruch, der ihnen dabei entsteigt, einzuatmen. Ich weiß auch nicht, warum ich das tue. Es macht eigentlich keinen rationalen Sinn. Aber irgendwie fühle ich mich ruhiger, wenn ich sie anschließend auf den Stapel platziere, der zur baldigen Bearbeitung bestimmt ist.

Ich werde Lovecraft, auf der Suche nach verwertbaren Details, noch einmal besuchen müssen, um mich auf das Gespräch mit Victor vorzubereiten. Er wartet unruhig darauf zu erfahren, wie es weitergeht. Ich glaube, es wird ihm gar nicht gefallen, was ich für ihn plane. Ich höre ihn jetzt schon fragen, wie ich mir das vorstellen würde, und wie er da jemals wieder mit heiler Haut rauskommen soll. Meine Bitte, mir ruhig zu vertrauen, wird ihn wohl kaum milder stimmen können.

Meine Spaziergänge betreibe ich an solchen beschaulichen Tagen wie heute nur über breit ausgetretene Pfade, auf denen ich mich nicht allzu sehr aufs Hier und Jetzt konzentrieren muss. Die Geschwindigkeit bestimmt dabei mein Hund. Er ist der Reiseführer durch meine säumigen Sonntage. Ich folge ihm im blinden Zickzack. Vorbei an den überwucherten Ruinen seiner geliebten Abbruchhäuser zwei Straßen weiter. Immer nur der Nase nach, bis er sich entschließt, wieder heimzukehren.

Die Tage sind immer noch zu lang. Ich sehne mich bereits nach den früheren Sonnenuntergängen zurück.

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