Dienstag, 31. Januar 2017

Eritag Einunddreißigster Hartung Siebzehn

Bei mir bekommt die Verlorenheit einen üppigen Glanz; es handelt sich um eine Immer=Verlorenheit.
Hinter jeder Häuserecke wird die lärmende Stumpfheit wie ein Fest verehrt, in den Straßen fließt längst das Blut des bestehenden Wahnsinns. Die Beschleunigung, überhaupt die Geschwindigkeit ist die Folter zum Tode hin. Niemand hört, denn niemand denkt.

07.38

In einer weiteren schlaflosen Nacht phantasierte ich mir Schubert und Beethoven gemeinsam am Klavier. Für den einen waren es Bagatellen, für den anderen Impromtus. Dass Autos statt Pechmarien Blechmarien sind. Ich höre dieser Undinger durch den Regen schmotzen. Außerdem muss ich seit Wochen eine Art Rheuma im rechten Oberarm haben, sicher bin ich mir jedoch nicht.

12.43

Seit heute klimpert Schumann ohne Unterlaß. Ich kam da nie wirklich mit, aber heute Nacht wurde ich dann doch hellhörig als ich die Kreisleriana hörte. Schumanns Wahnsinn mag ja durchaus bereits auszumachen sein, andererseits glaube ich, dass man mehr vom Klavier verstehen muss als gewöhnlichen Chopinismus, um dem folgen zu können.

Montag, 30. Januar 2017

Mondtag Dreißigster Hartung Siebzehn

11.32

Früh zermürbte uns der Druck, der die Seele der Familie bereits fremd machte. Wir durften nicht einmal in unserem Zimmer in die Hose scheißen und die Kackwürste dann unter das Bett werfen. 

12.35

Am Abschnitt des "Gerulphus Bulwer", seines Zeichens Mannwulf, erzählt von einem Nachtwächter. Die eigene Vorgabe ist ja, jeden Tag eine fixundfertige Typoskriptseite zu generieren, die also alle Überarbeitung und Änderung bereits einschließt. Erreichte das nur ein einziges Mal aus Stimmungsgewittern heraus nicht und bin in acht Tagen bei MS7. Darob hab' ich mir erneut an der linken Fress=Flanke, die den Kopf meint, einen Zug bei nachtoffenem Fenster geholt. Leicht nur diesmal wirbelts von der Schläfe runter. Beete klaviert seine Fünfe tags und nachts. Mein Mantel entleimt sich und muss eventuell gegen ein neues Exemplar weichen.

Dienstag, 24. Januar 2017

Eritag Vierundzwanzigster Hartung Siebzehn

Man sollt meinen, dass die Tage besser werden, aber nun liege ich darnieder, mehr oder weniger zu nicht viel fähig. Natürlich sinniere ich, wie so oft, über eine neue Romantische Schule, die aber anders, als man meinen könnte, nichts wiederholen will, sondern komplettieren. Bedenken wir allein die Sprache, die Fähigkeit zur Sprache, die heute kaum mehr eine Rolle zu spielen scheint - und mit deren Nichtvorhandensein dann die Untalentiertesten hantieren, um dem Pöbel zu nach dem Maul zu reden. Literatur war, ist, und bleibt: elitär. Von wenigen gemacht, von wenigen verstanden. Und das muss so sein, denn was sich durch Masse definiert ist widerlich. Mehrheiten sind Seim. Ich als Solitär kann das leicht sagen, weil daraus sämtliche Probleme resultieren, die man als Ausnahme von der Masse überhaupt haben kann. Und so spreche ich dann auch zu wenigen, zu den Besonderen, die ihrerseits am Schleim des Zeitgeists ersticken. Es ist gar kein Wunder, dass Zombie=Filme gerade so in Mode sind. Dort erkennt sich der Mensch in der Menge leicht wieder. Die Identifikation mu für solche erhellend sein. Auch ich muss hinaus zu den hundsföttischen Hirntoten, die jetzt überall zu sehen sind, die sich in Einkaufszentren tummeln und taumeln. Es sind debile Fremde und man blickt in tote Gesichter. Sehr leicht lassen diese sich als Arbeitssklaven benutzen in einem Staat wie dem unsrigen, in denen Angst, Repressalien und Existenznot herrschen.

Montag, 23. Januar 2017

Mondtag Dreiundzwanzigster Hartung Siebzehn

Kreislauftechnisch bin ich etwas im Winde, obwohl ich tief und fest geschlafen habe. Ein altehrwürdiger Zirkus, ein immerfortwährendes Gewese. Von 9 bis 11 am "Deutschen Buch" - All die toten Dichter - noch kein Abstranzen, wir befinden uns noch immer in der Gruft. Wann hatte ich zuletzt einen dreifachen Kontinuen=Tag? Ich lese auch weiterhin die Folgefetzen gleich ein - und gebe DAS zumindest für heute auf, weil's mir nur um's Erklingen geht, und es durchaus genügt, wenn ich es einmal präludiere. Stimmt denn RhythmusTaktZeit? Schwingen sich die Wortgewitter von der Deckenschale? Sie tun's und lassen mich lässig in den Tag hinaus spähen, der da vor mir liegt. Denn es ist ein Tag, wenn man um Eilfe schon zu Rande ist.

13.17

Nußzopf im Jammerton. Trocken für den Gaumen, fürs Auge wonnig und warm=naß. Ein Trug. Weiter warten auf die Blue Blossom.

20.17

Panic Attack; Gummischnuller=Kur

Freitag, 20. Januar 2017

Fridach Zwanzigster Hartung Siebzehn

Fast schien sich die zweite schlaflose Nacht anzubahnen, weil mich die Geister nicht in Ruhe ließen, die ich für eine erste Szene eines kommenden "Deutschen Buches" niederschrieb. Als wäre in meinem Kopf eine gemütliche Kammer, in die man aus dem würklichen Winter hineinsteigt, um sich zu versammeln. Gegen nullvierzich nahm ich eine halbe Schlaftablette - und konnte weiter keine Müdigkeit feststellen, so dass ich auf dem Scheißhaus noch mindestens eine Stunde im Friedenthal las. Dafür aber bin ich erst jetzt aus dem Nichts heraus erwacht, und es hat etwas Fürchterliches, erst am Nachmittag zu erwachen. Dann aber trug die frische Luft ein wenig zur Halb=Ermunterung bei. Eine Thermokanne für das Kaffee=Dauerspektakel stand auf dem Zettel, in JubelWeiß, nachdem die für den Dauer=Minztee TrinkDas=Schwarz ist. Einsfünf Liter je. Würde drei Liter Flüssigkeit am Tag ergeben, geteilt durch zwo, nuja. Bin wieder Mitglied der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft geworden, nachdem ich ein Jahr ausgesetzt habe. Aber mein Hunger nach speziellen Fachbüchern und Nachschlagewerken ist nicht anders zu bewältigen. Krapfen. Kaffee. Heute Chopin, dessen Gesamteinspielung herhalten muss. Ist überhaupt wenig Jazz in jenen Tagen, der durch den Raum schmettert.

Montag, 16. Januar 2017

Mondtag Sechzehnter Hartung Siebzehn - Gespenstersuite

Die GESPENSTERSUITE wurde heute nach drei Tagen a 12 Stunden beendet. Mit 7 Minuten und 19 Sekunden haben wir freilich nur einen Teil des Textes verwendet. Eigentlich war nur eine Lesung geplant, die sozusagen ein "Phantom", das ich darstellen wollte, zeigt. Aus all diesen Anfangseinstellungen ist dann etwas ganz anderes geworden, das nämlich, was ich anfangs der 90er bereits unter "Poesie-Clips" verstehen wollte. Damals ging das nicht, wir hatten mit Dia-Überblendtechnik gearbeitet. Viel Technik hatten wir diesmal auch nicht, ganz im Gegenteil haben wir alles halbwegs aus dem Nichts erschaffen, und eine Plackerei war es obendrein, denn immer wieder stürzten die Programme ab. Nichtsdestotrotz können Albera und ich den Poesieclip zur Gespenstersuite präsentieren.