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Wir hatten ja nur ein Pausenbrot...

während wir losmampften, weil wir wussten, es würde eine Weile dauern, bis wir uns an die neuen Umstände gewöhnt hatten. Da waren zu viele Dinge zu tun, eine Krise zu überstehen, das Phantastikon nicht absaufen lassen, die Miskatonic Avenue in Bahnen lenken.
Doch jetzt sind wir wieder nach Haus gekehrt und fürderhin auch dort wieder präsent.

Schneidering - Die Veranda im Schatten moribunder Texte.
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Auf der Suche nach der Otschkönigin

Letzte Horrorgeschichten

Dass ich diesmal an ein Verlagskonzept eher ruhiger herangehe, ist geschichtlich motiviert. Das geht auch nicht anders, denn wir leben in grundsolide bitteren Zeiten, die man sich nur durch eine gesunde Dosis Distanz und Tätigkeit urbar machen kann. Derzeit schreibe ich an meinen "letzten Horrorgeschichten", was nicht meint, dass es wirklich die letzten sind, sondern sich mehr auf das beziehen, was sie stilistisch leisten. Sind das überhaupt Horrorgeschichten? Wenn man sich ansieht, was hierzulande darunter verstanden wird, dann eher nicht. Mit der Philosophie und dem Existentialismus scheinen unsere Autoren nicht sonderlich viel zu tun zu haben, den Existenzengrund sehe ich nirgends, eher nette Leute, die ihrer Kreativität eine unterhaltende Stimme geben. Das macht es einerseits unmöglich, Futter für eine Anthologie zu finden, die nicht nur aus Übersetzungen bestehen soll, andererseits kommt man ohne das, was gerne gelesen wird, nicht aus. Eine Debatte findet ohnehin nirgen…

Miskatonic Avenue

Durch die Arbeit an der Miskatonic Avenue, für die ich noch einige Übersetzungen zu liefern habe, ist es hier etwas ruhiger geworden. Das wird sich wohl auch in nächster Zeit nicht ändern, was aber nicht bedeutet, dass wir das Nymphenbad wieder aufgeben. Es ist ja geradezu von Nöten, auch einen Platz zu haben, wo Notizen und Hinweise hinterlegt werden können, die nicht zu einem Essay gehören.
Selbstverständlich muss etwas für die spekulative Literatur in diesem Land getan werden, auch wenn es sich unterm Strich als sinnloses Unterfangen erweisen wird, weil die Herdenmentalität hier so sehr ausgeprägt ist, dass philosophische Kraft nicht daraus resultieren kann.

Die Strümpfe bei Hofe

Nick ertappte sich selbst dabei, wie er im Regen saß, und das Schauspiel der fallenden Tropfen beobachtete. Nichts hätte ihn heute abend zurück in seine Kammer gebracht, denn er wollte nicht etwas hören, was nicht gleichzeitig zu beobachten war. Wärst du unsichtbar, mein lieber Regen, ja, auch dann müsste ich mir eine Gestalt für dich ausdenken. Vermutlich würde ich Fingerknöchel nehmen, ich wüßte ja nicht, daß du Wasser bist.

Infernalisches Prasseln. Das Prasseln von Geisterfingern auf den armseligen Behausungen und ... auf dem etwas weniger armseligen Dachstuhl des Schloßes. Was die wohl den ganzen Tag dort treiben? Aufhübschen, abhübschen, hinaus zur Jagd, zurück zur Tafel!

›Lustschloß‹ - dieses Wort gefiel Nick außerordentlich, aber: ob die jetzt auch im Regen hockten? Zeitlos schienen die Herrschaften nie zu sein, alles wirkte geplant und gewichtig, selbst wenn eine der Damen den Strumpf verlor. Das geschah auf merkwürdige Weise. Das Textil löste sich noch im Schuh bereits vom Fu…

Numa Pompilius

Numa Pompilius, der sich mit der Nymphe Egeria verbuhlt hatte, studierte nicht wenig die Weisheiten der Assyrer. Er besaß von ihnen nun die Kunst der Erzeugung und Lenkung des Blitzes. Aber bereits sein Nachfolger im alten Rom, Tulius, lenkte den Blitz so schlecht, daß er von ihm erschlagen wurde und somit das Geheimnis verlorenging. Wenn es heute über mich hinweg donnert, dann zögere ich nun nicht mehr, der Karte zu folgen, die sich durch das Blitzgewitter erkennen lassen wird. Dahin habe ich mich gebracht, und all die angehäuften Schriften waren nur mehr Klatsch gegen die echten Grimoiren, Bücher, die so unscheinbar waren, daß man sich nicht einmal ihres Autors versicherte, sie nicht einmal in die Hand nahm; in so einem schlechten Zustand fanden sie sich. Um als Zauberbücher auch wirklich erkannt werden zu können, müßten sie jedoch auch mit ihrer Fertigung prahlen, man muß ihnen gleich ansehen, daß einen der Geist darin völlig erschlägt, man muß dem Buch ansehen, daß man es nicht be…

Ocean Avenue 112

Das Haus ist eine Persönlichkeit wie du, wie ich.
Lebt das Haus also in uns, wie wir glauben, in ihm zu leben? Sind unsere Zimmer bewohnbar und ist der Staub der Rest, der von Sekunden übrig blieb? Der Knopf, der noch dort liegt, hat einst geschlossen Jackentaschen gegen Hände, die am Suchen waren. Das ist der Tod, aber er vollzieht sich nicht, bleibt so lang allein, bis er aufgelöst in allem schwimmt, über allem schwebt, seine Larve ist Kaminholz, geschminkt.
Kannst du mich erkennen, auch wenn nichts mehr übrig ist von diesem Ort, nichts mehr übrig ist von diesen Spuren, ausgelegt, um mir zu folgen, in den selben Traum von einer Nacht, schlaflos durchwacht, eine Aubade angestimmt?
Kannst du mich also erkennen, wie ich Jahrhunderte niederlege, tief in das Polster greife, um ein weiteres Stück von mir daraus hervorzuholen? Noch sieht der Tag mich nicht erwachen, sieht dich niemand aus meinem Zimmer kommen. Du könntest bleiben, schließ die Tür. Ich komme aus Feenlande…